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August Höglinger »
Blog Einsichten

In diesem Blog findest du Geschichten aus und vom Leben. Aus einer sichtbaren und unsichtbaren Welt. Ich möchte dich teilhaben lassen an meinen Erkenntnissen, Denkanstößen, Inspirationen, Erfahrungen, Ideen und neuen Plänen.
Dieser Blog ist vor allem für Absolventinnen und Absolventen meiner Seminare und Lehrgänge eingerichtet, denn mit Ihnen verbindet mich eine tiefe Herzensbeziehung und ein Stück gemeinsamen Weges.

Natürlich sind alle Besucherinnen und Besucher herzlich willkommen.
In diesem Sinne freue ich mich und wünsche allen tiefe Einsichten.

Herzlichst
August

Archiveinträge




25.02.2015

Zugang zum Herzen

Immer wieder machte ich die Erfahrung, sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext, dass eine ausgesprochene Wertschätzung Frauen gegenüber nicht in ihrem Herzen ankam. Die Wertschätzung wurde zwar als Kompliment freundlich entgegen genommen, aber vor der Herzenstür abgestellt. Verblüffend für mich war, dass ich dieses nur bei Frauen beobachten konnte. Männer hingegen reagierten sehr erfreut auf Wertschätzung, bzw. Anerkennung, fühlten sich erkannt und nahmen diese gerne entgegen. 
Diese Erfahrungen veranlassten mich, mir das Thema in der Meditation genauer anzusehen. Da bekam ich folgendes Bild: sowohl Frauen, als auch Männer haben zwei Türen zu ihrem Herzen, eine davon ist immer offen, die andere ist immer verschlossen.
Interessant war für mich die Unterschiedlichkeit zwischen den Geschlechtern. Über der verschlossenen Tür der Frauen steht Wertschätzung, über der offenen Tür Abwertung/Entwertung. Letzteres hat direkten Zugang zum Herzen und wird von den Frauen sofort aufgenommen, Wertschätzung hingegen hat kaum eine Chance durchzudringen. 
Dazu ein Beispiel: Besuch bei meiner Schwiegermutter. Sie serviert einen köstlichen Kuchen, auf meine Reaktion: „Der Kuchen schmeckt ausgezeichnet!“ meint sie: „Das ist ja nur ein ganz einfacher Kuchen“. Die Wertschätzung wurde zurückgewiesen. Nun beschäftigte ich mich damit, wie ich die Hürde der verschlossenen Tür überwinden könnte. Beim nächsten Besuch sagte ich zu ihr: „Obwohl es nur ein ganz einfacher Kuchen ist, schmeckt er hervorragend!“ Darauf wusste sie nichts zu antworten und ihre Freude war offensichtlich.
Und jetzt zu den Männern und der angesprochenen Unterschiedlichkeit. Über ihrer offenen Tür stehen die Worte Bestätigung und Anerkennung, über der verschlossenen Tür steht Kritik. Mit Bestätigung und Anerkennung gelangt man also gut in das Herz eines Mannes, wollen Sie Kritik äußern, so sollten Sie sich vielleicht eines davon als Begleiter wählen.

Herzlichst
August

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18.02.2015

Die Welt retten wollen

Ein junger Mann konnte kaum noch schlafen, war ständig beschäftigt, nahezu hyperaktiv. Er hatte sich völlig verausgabt und war am Ende seiner Kräfte. Es war ganz offensichtlich, dass der junge Mann diesen Zustand nicht mehr lange durchhalten würde.
Ich fragte seine Seele, worunter sie so zu leiden hatte. Die Antwort war so klar, wie erstaunlich: Der junge Mann war schwer krank und seine Krankheit hieß, die Welt retten zu wollen! Ja, er hatte sogar das Gefühl, er müsste dies tun. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass eine idealistische Absicht so etwas Schädliches sein könnte.
Nun überlegte ich, wie ich dem jungen Mann erklären könnte, dass das, was er als das Höchste in seinem Leben einstufte, nämlich die Welt zu retten, eine schwere Krankheit ist.
Da fiel mir ein Vergleich ein: Wenn jede der Millionen Zellen des menschlichen Körpers, an der Stelle wo sie lebt, ihre Funktion erfüllt, dann geht es dem ganzen Organismus gut. Beginnt nun eine dieser Zellen ihre vorgesehene Funktion zu verändern  z.B. durch vermehrtes Wachstum, dann erkrankt der Mensch und es kann lebensbedrohlich werden.
Erfüllt nun jeder Mensch seine Aufgabe an dem Platz, an dem er steht, dann ist die ganze Welt heil. Passiert dies nicht, geben sich viele Menschen mit dieser Anforderung nicht zufrieden, dann krankt die gesamte Welt.
Denke ich nun, ich müsste als Einzelner die Welt retten, so endet dies in einer völligen Überforderung. Verlasse ich den mir zugedachten Platz im System und fülle meine Funktion (Berufung) nicht aus, besteht die Gefahr an Leib und Seele zu erkranken.
Als spiritueller Mensch tauchte in mir auch die Frage auf: Bedarf die Welt überhaupt des Gerettet-Werdens? Stelle ich mich damit nicht über den Willen Gottes, weil ich besser als ER weiß, was für die Welt gut ist?

Herzlichst
August

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11.02.2015

Freude statt Dankbarkeit

Dankbarkeit heißt nach Romano Guardini: Nichts für selbstverständlich zu nehmen!
Das Gefühl von Dankbarkeit begleitet mich schon seit Jahrzehnten und es ist eine sehr innige und intensive Empfindung. Umso erstaunter war ich, als ich eines Tages entdeckte, dass ich kaum noch Dankbarkeit spüre. Ich war traurig darüber, weil ich dieses vertraute und wichtige Gefühl vermisste und auch nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte.
In einer Meditation hatte ich das tiefe Bedürfnis mich bei Gott für alles zu bedanken, was er mir schenkt. Da sagte er mir, ich brauche mich nicht zu bedanken, da alles reichlich vorhanden ist, ich brauche es mir nur zu nehmen. Die Verantwortung, ob ich dies tue liegt aber ausschließlich bei mir. Ich kann mich also an der Fülle bedienen oder es auch sein lassen.
Seine Botschaft war, dass mir jederzeit alles kostenlos zur Verfügung steht und ich mich darüber freuen soll, anstatt dankbar zu sein. Ein gutes Beispiel dafür sind kleine Kinder, diese drücken ihre Dankbarkeit für ein Geschenk in oft überschwänglicher Freude aus. Diese Freude beglückt nicht nur den Beschenkten, viel mehr nährt sie auch den Geschenkgeber.
Es gibt aber einen Bereich, für den sehr wohl Dankbarkeit angesagt ist: Das sind die Geschenke, die einem Gott macht. Meine Frau ist ein Geschenk Gottes. Mit ihrem „Reparaturblick“ (dies ist die Fähigkeit zielsicher zu erkennen, wo ein Reparaturbedarf besteht, bzw. eine Veränderung notwendig ist) zeigte sie meine Wunden, Mängel und Unzulänglichkeiten auf. Dies gab mir die Möglichkeit daran zu arbeiten und viele Wunden konnten dadurch heilen. 
Bei einem Klienten sah ich, dass seine Schwiegermutter ein Geschenk Gottes ist. Dies war ein sehr überraschendes Bild, weil er überhaupt nicht mit ihr klar kommt. Sie repräsentiert einige seiner Schattenseiten und konfrontiert ihn unbewusst immer wieder mit seinen Defiziten. Es liegt aber in seinem Ermessen, sich dieser Heraufforderung zu stellen, oder sie weiterhin als Feindbild zu betrachten. 
In meiner Wahrnehmung stellt es sich so dar, dass Gott möchte, dass wir die Fülle erkennen, uns daran erfreuen und uns nach unseren Bedürfnissen bedienen. Ganz wenig ist ein Geschenk von ihm und dies ist oft auch noch schwierig zu erkennen – meist geht es dabei um unser persönliches Wachstum oder um ein seelisches Heil-werden. 
Angesichts dieser Erkenntnisse wurde mir auch klar, dass Bescheidenheit manchmal eine Form von unnötiger Selbstbeschränkung ist.

Herzlichst
August

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05.02.2015

Not

Das Wort Not ist kaum noch gebräuchlich und wenn am ehesten von Hilfsorganisationen im Zusammenhang mit materieller Not. Die seelischen Nöte werden von Ärzten und Therapeuten behandelt und haben Namen, welcher einer medizinischen Diagnose entsprechen, z. B. Burnout, Bipolare Störung, Depression, Borderline, usf.
Ich spreche hier von spiritueller Not, die für mich sehr eng mit den seelischen Nöten der heutigen Zeit verknüpft ist.
Not ist der Ursprung aller Veränderungen. Sie äußert sich in Form von Hilflosigkeit, Ohnmacht, dem tiefen Empfinden, nicht mehr weiter zu wissen, es allein nicht mehr zu schaffen, auf Hilfe angewiesen zu sein. Sie wird von den betroffenen Menschen als absoluter Tiefpunkt erlebt. 
Die meisten Menschen geraten in Not, wenn sie die Not bei jemand anderem erkennen und erleben das gleiche Gefühl des Ausgeliefertseins. 
In der Begleitarbeit ist es ein Geschenk, die Not sehen zu dürfen. Meine Aufgabe liegt darin, die Not bei dem betroffenen Menschen zu belassen, da sie not-wendig ist. Es geht also um eine Wende, ohne die Not würde sich nichts verändern. Man kann die Not teilen, aber nur mit jemand, der diese Not kennt und versteht. Teilen halbiert die Not. 
Um die Not zu wenden braucht es jedoch immer die Bitte. Eine ehrliche, aus dem Herzen kommende Bitte, mit dem Eingeständnis, dass ich die Bedrängnis allein nicht mehr bewältigen kann und Hilfe benötige. Diese Form der Bitte entspringt einer tiefen Demut. 
Der erste Schritt aus der Ohnmacht ist also die Bitte. Dies ist auch der Weg zur Selbsthilfe, es gilt der Spruch: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Gott steht immer in Verbindung mit uns, nur wir Menschen wissen dies oft nicht, oder blockieren diese Leitung zu Gott. 
Ein Beispiel: In der Begleitung eines Unternehmers, der sich beklagte, keinen Zugang zu Gott zu finden, konnte ich innerlich ein ganz deutliches Bild wahrnehmen. Ich sah, dass vor ihm ein Telefon stand, mit einem Kabel nach oben. Möchte er Verbindung aufnehmen, müsste er allerdings abheben und etwas sagen, bzw. eine Bitte äußern. Dieser Apparat steht nur da, wenn er in Not ist. Es kann aber auch sein, dass nichts durch die Leitung fließt. Möglicherweise wird etwas als Not erlebt, was vor Gott aber keine Not ist. 
Ein guter Weg ist es, Gott aus der Not heraus um Hilfe zu bitten, ohne Wünsche damit zu verbinden. Gott erfüllt unsere Bitten nicht nach unseren Vorstellungen, sondern so wie es für unser spirituelles Wachstum erforderlich ist.

Herzlichst
August